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Trabant-Lehre
Allgemein
Der Trabant war eine Baureihe des Herstellers VEB Sachsenring
Automobilwerke Zwickau DDR. Der anfänglich als sparsam und robust
geltende, später aufgrund fehlender Innovationen jedoch hoffnungslos
veraltete Trabant steht beispielhaft für den Aufstieg und den Zerfall
der DDR-Wirtschaft. Bis zur Wende galt der Besitz eines Trabant dennoch
als Statussymbol, nach 1990 verschwand das Fahrzeug jedoch schnell von
den Straßen. Heute gilt der „Trabi“ als Kultauto, das in verschiedenen
Fanclubs gewürdigt wird. Zwischen 1957 und 1991 wurden insgesamt
3.051.385 Fahrzeuge der „Trabant“-Baureihe produziert. Beim deutschen
Kraftfahrt-Bundesamt waren zum 1. Januar 2005 noch rund 67.000 Fahrzeuge
registriert.
Konzept
Trotz Übernahme der alten Auto-Union-Werke in Sachsen kam der
Fahrzeugbau in der DDR der 1950er Jahre nur schleppend voran. Während in
der Bundesrepublik der VW Käfer Erfolge feierte, kämpfte man im Osten
mit Materialknappheit und für Großserien unzureichenden
Produktionsstätten. Da man zu dieser Zeit in der DDR aber noch das Ziel
hatte, wirtschaftlich mit dem Westen gleichzuziehen - und somit auch die
massenhafte Flucht der Ostdeutschen über die noch offene Grenze zu
mindern - beschloss das Politbüro 1954 einen neuen, preiswerten und
robusten Kleinwagen in Auftrag zu geben. Als Eckdaten waren ein Gewicht
von max. 600 kg und ein Verbrauch von 5,5 l/100 km vorgegeben. Der Preis
sollte bei einer Jahresproduktion von 12.000 Stück nicht mehr als 4.000
Mark betragen. Außerdem sollte die Außenhaut aus Kunststoff gefertigt
sein, da Tiefziehblech auf der Embargoliste der kapitalistischen Länder
stand und daher in der DDR relativ rar und teuer war.
Prototyp
Den ersten Prototyp des „P 50“ getauften Modells stellte das
Forschungs- und Entwicklungszentrum aus Karl-Marx-Stadt noch im selben
Jahr vor. Die Karosserie war zum Teil aus Duroplast – einem Kunststoff
aus Phenolharz und Baumwolle – gefertigt. Das Modell war jedoch kein
Erfolg: Da man mit Duroplast noch keine Erfahrung hatte, benötigte man
immer noch viel Blech zur Beplankung des Wagens. Außerdem bot die
Rückbank viel zu wenig Platz, um das Auto als Familienwagen verkaufen zu
können. Daraufhin übernahm das Automobilwerk AWZ Zwickau die
Weiterentwicklung. Man beschloss, ein Übergangsmodell unter der
Bezeichnung P 70 zu bauen mit dem Ziel, neue Erkenntnisse über die
Duroplastverarbeitung zu gewinnen und die Pläne für den P 50 zu
überarbeiten.
P 50 „Trabant“
1957 wurde bei AWZ schließlich eine Nullserie von 50 Fahrzeugen gebaut.
Im selben Jahr startete die Sowjetunion erfolgreich ihren Satelliten,
noch vor den USA. Der Name „Trabant“ wurde im Rahmen einer Umfrage
gefunden; er bedeutet Begleiter oder Weggefährte, ebenso wie das
russische Wort Sputnik. Der Trabant, der schließlich auf der Leipziger
Messe vorgestellt wurde, überzeugte das Publikum. Gelobt wurden der
geräumige Innenraum, die großen Fensterflächen sowie das stimmige, dem
Geschmack der Zeit entsprechende Design. Der 500 cm³ kleine
Zweitakt-Drehschiebermotor leistete zwar nur 13 kW (18 PS), doch dies
war in den 1950ern für einen Kleinwagen durchaus akzeptabel. Um genügend
Kapazitäten für eine Großserienproduktion des Wagens zu erlangen,
fusionierte man die beiden Werke AWZ (vormals Audi) und Sachsenring
(vormals Horch) zum VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. Seitdem
zierte das geschwungene „S“ den Bug des Trabanten. Der ab 1959 auch als
„Trabant 500“ bezeichnete Wagen wurde zunächst stetig weiterentwickelt
und erhielt ein synchronisiertes Getriebe sowie einen überarbeiteten
Motor, der weniger Schmiermittel benötigte (Gemisch 1:33 statt 1:25).
Außerdem erschienen eine Variante als Trabant Kombi und das zwei- bzw.
dreifarbige Modell „Sonderwunsch“ mit geschwungener Zierleiste.
P 60 (Trabant 600)
Mit dem Modelljahr 1963 wurde der Trabantmotor grundlegend
überarbeitet. Durch größere Zylinderbohrung wurde der Hubraum von 494
auf 599 cm³ erhöht und eine Leistungssteigerung auf 17 kW (23 PS)
erreicht. Äußerlich entsprach der Wagen jedoch nicht mehr recht dem
Zeitgeschmack – die Fünfziger waren vorbei. Die Zierleisten des
„Sonderwunsch“ wurden gerade. Ansonsten ließ sich der neue Trabant nur
durch den hinzugefügten Schriftzug „600“ am Heck erkennen. Die Autobauer
bei Sachsenring waren mit diesem Stand nicht zufrieden und konstruierten
eine neue Karosserie, die auf die Bodengruppe des 600 gebaut werden
konnte.
P 601 (Trabant 601)
Die neue Karosserie, die ab 1964 in Serie gebaut wurde, kam in der
Bevölkerung gut an. Sie gefiel durch ihre geraderen Linien und die
angedeuteten Flossen am Heck. Der Trabant wurde insgesamt 18 cm länger,
dabei aber 5 kg leichter. Ein Jahr später erschien auch der Kombi
„Trabant 601 universal“ mit umklappbaren Rücksitzen und einer Kapazität
von 1.400 l.
Der Zweitaktmotor, der den Trabant antrieb – und dessen konstruktive
Ursprünge bei den drehschiebergesteuerten DKW Motorrad-Rennmotoren der
30er Jahre lagen – drohte derweil mehr und mehr zu veralten. Zwar lag er
mit seiner Leistung von 17 kW noch immer auf dem Niveau seiner Klasse,
der „Ente“ mit 12 kW und dem „Käfer“ mit 25 kW, jedoch setzte selbst das
sozialistische Ausland inzwischen auf die deutlich leisere und
kultiviertere Viertakt-Technik.

Bei
Sachsenring sah man daher eine Bauzeit des Trabant 601 bis 1967 vor. In
der Zwischenzeit entwickelte man eine halbautomatische,
elektrohydraulische Kupplung (en verbesserten Motor mit
19,1kW (26 PS) und eine hauptsächlich für die NVA vorgesehene
„Kübel“-Variante, ab 1978 auch als zivile Variante „Tramp“ erhältlich.
Den zivilen Tramp gab es allerdings nicht in der DDR zu kaufen, vielmehr
war er für Exportzwecke u.a. nach Griechenland vorbehalten.
Zu dem für 1968 vorgesehenen Nachfolger kam es jedoch nicht. Auch
weitere Projekte in den 1970ern verliefen im Sande, da sie politisch
nicht gewollt und wirtschaftlich schwer zu realisieren waren.
Stattdessen wurde der Trabant 601 im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten
weiterentwickelt. Nennenswert sind die Einführung einer
Zweikreisbremsanlage, die Umstellung auf 12 V Bordspannung und
H4-Scheinwerfer sowie der Einbau einer elektronischen Zündanlage.
Da auch in anderen Autowerken des Ostblocks die Entwicklung bis Mitte
der 80er Jahre weitgehend stillstand, konnte der Trabant im
Straßenverkehr der DDR auch am Ende seiner Zeit gut mithalten. Dennoch
konnten die wenigen meist oberflächlichen Veränderungen des Modells die
Bürger nicht darüber hinwegtäuschen, dass der 601 in den 26 Jahren
seiner Produktion hoffnungslos veraltete.
Trabant 1.1
Nach mehreren fehlgeschlagenen Projekten
zeichnete sich Mitte der 80er schließlich die Entwicklung eines neuen
Modells ab. Die IFA erwarb von Volkswagen die Lizenz zum Nachbau ihres
im Polo eingesetzten 1,3-l-Viertaktmotors. Dieser sollte zunächst im
Wartburg, anschließend im Trabant und schließlich im Barkas eingebaut
werden. Bevor der neue Motor gefertigt werden konnte, mussten jedoch
zunächst etwa 7,96 Mrd. Mark für Kauf und Bau der nötigen Maschinen und
die Umstrukturierung der bisherigen Produktion investiert werden. Für den neuen Trabant blieb nur noch wenig Geld zur Erneuerung des
Modells. Die zunächst favorisierte Karosserie eines Prototyps wurde
abgelehnt. Stattdessen verbarg sich die modernisierte Technik in einem
nur im Detail veränderten Äußeren. In Anbetracht des veralteten
Fahrwerks sah man sich zudem gezwungen, den Hubraum des Motors auf 1,1
Liter zu verkleinern, um die Leistung zu begrenzen und die
Höchstgeschwindigkeit zu senken. Das Modell wurde im Herbst 1989 vorgestellt und sollte 18.900 Mark
kosten. Der Wagen wurde allerdings nicht freudig angenommen. Nach 26
Jahren und bei einer Preissteigerung um 6.000 Mark wollte man ein Auto,
das Weststandards so sehr hinterherhing, nicht mehr akzeptieren. Als im
Mai 1990 die Produktion des als „IFA Trabant 1,1“ bezeichneten Wagens in
Serie ging, war der Vertrag zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
mit der Bundesrepublik bereits unterzeichnet. Dem Image und der Technik
westeuropäischer Autohersteller hatte der Trabant nichts
entgegenzusetzen. Neben der klassischen Modellen Limousine und Universal (früher Kombi)
wurde der 1,1 auch als Tramp, einer offenen Variante mit Faltdach
ähnlich dem Kübelwagen, und einem Pick-Up angeboten. Auch die Vermarktungsversuche als „Fun Car“ für unter 6.000 DM schlugen
fehl. Nach nur zwölf Monaten verließ der letzte „1,1“ das Werk. Am 30.
April 1991 endete nach 33 Jahren die Produktion des Trabant und mit ihm
der Fahrzeugbau bei Sachsenring.
Bedeutung des Trabant
Zu Beginn seiner Produktion wurde der Trabant noch als ostdeutscher „Volks“-Wagen
gefeiert und galt tatsächlich für viele Familien mit mittlerem Einkommen
als Einstieg in die automobile Welt. In westlichen Ländern wurde die
Entwicklung aus Zwickau zwar nicht eben bewundert, aber dennoch
anerkannt.
Als eine Weiterentwicklung des Trabant jedoch ausblieb, wandelte sich
das Bild. Der Wagen wurde zum Sinnbild für die stagnierende Wirtschaft
der DDR und für die Verbohrtheit der politischen Führung, die ein neues
Modell offensichtlich verhinderte.
Mangels Alternativen - vom Wartburg aus Eisenach abgesehen - waren die
Auftragsbücher dennoch übervoll. Die Planwirtschaft kippte um zur
Mangelwirtschaft. Das Auto war in der DDR eine sichere Geldanlage: die
Wartelisten waren derart lang, dass auch ein mehrere Jahre alter Wagen
auf dem Gebrauchtmarkt noch zum Werkspreis wiederverkauft werden konnte.
Daher hatte praktisch jeder DDR-Bürger eine Anmeldung entweder für einen
Trabant oder einen Wartburg laufen - was die Wartelisten natürlich noch
weiter verlängerte.
Ein
gut gepflegter Trabant galt – trotz seiner offenbaren technischen
Defizite – als Statussymbol. Die Beschaffung von Ersatzteilen, Reifen
und selbst Autobatterien kostete zwar vergleichsweise wenig Geld, dafür
aber umso mehr Mühe. In den 1980ern betrug die Quote der als Ersatzteil
produzierten Teile in Zwickau bereits über 30 %. Da aber inzwischen
jeder zweite Trabant älter als zehn Jahre war, herrschte stets Mangel.
Das durch die Mangelwirtschaft erhaltene Image des Autos brach 1990
geradezu über Nacht ein. Selbst bei Volkswagen, das seit Dezember 1989
mit IFA in einem „Joint Venture“ den Verkauf des neuen Trabant plante,
hatte man nicht mit einem solchen Misserfolg des „1,1“ gerechnet. 601er,
die über Jahre gepflegt worden waren, fand man als schwarz stillgelegte
Wracks nahezu überall in der DDR. Allein die schiere Menge der
produzierten Wagen verhinderte, dass der Trabant gänzlich aus dem
Straßenverkehr verschwand.
Bereits Anfang der 1990er bildeten sich die ersten Trabant-Fanclubs, die
aber in der Öffentlichkeit skeptisch betrachtet wurden. Erst mit den
Jahren konnte sich die Szene von dem Image befreien, aus Ewiggestrigen
zu bestehen. Heute existieren zahlreiche Vereine und
Interessengemeinschaften, die sich dem Trabant widmen – auch außerhalb
der neuen Bundesländer. Seltenere Ausführungen, wie die alten 500/600er
oder die NVA-Kübelwagen erreichen bei Auktionen regelmäßig über 1.000 €.
Zum offiziellen Trabi-Treffen in Zwickau kommen jährlich rund 20.000
Besucher. Am Ende seiner wechselvollen Geschichte hat der „Trabi“
scheinbar endgültig Kultstatus erlangt.
Quelle:
Wikipedia.de
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